DIE WOCHE VOM 14. BIS 20. SEPTEMBER

Ein Roboter kann im Labor beeindrucken und im nächsten Raum scheitern. Eine Tür reicht. Ein fremdes Bett. Ein Mensch, der seinen Weg kreuzt. Genau diese unscheinbaren Hindernisse rücken diese Woche in den Mittelpunkt: Agility konkretisiert Digit 5, Figure untersucht unbekannte Wohnräume, ANYbotics verbindet Inspektion mit Zutrittskontrolle. Dazu kommen neue offene KI-Bausteine und Kapital für Rechenzentren. Der Fortschritt wird greifbarer. Seine Grenzen auch.

01 / AGILITY ROBOTICS · 15. SEPTEMBER

Der nächste Digit.
Die nächste Bewährungsprobe.

Agility stellt Digit 5 ausführlich vor und präzisiert den Fahrplan: Early Access im ersten Halbjahr 2027, allgemeine Verfügbarkeit bis Ende 2027 erwartet. Der geplante Zugang zu EU und Großbritannien ist damit noch kein heutiger Verkaufsstart.

Für den zweibeinigen Logistikroboter steht das Arbeiten in der Nähe von Menschen im Mittelpunkt. Agility beschreibt Personenerkennung, eine unabhängige Sicherheitssteuerung und optische sowie akustische Signale. NVIDIA Halos und IGX Thor gehören zum angekündigten Sicherheitskonzept. Daraus lässt sich weder ein bestimmtes Aktionsmodell noch eine pauschale Freigabe für jeden Arbeitsplatz ableiten.

Auch die Hardware wird konkreter: 22,7 Kilogramm Traglast, wechselbare Greifer und eine Greifhöhe bis zu 2,2 Metern nennt die Mitteilung. Besonders erklärungsbedürftig ist die Laufzeit. Agility verspricht 90 Minuten Arbeit und neun Minuten Laden. Die ebenfalls genannten mehr als 20 produktiven Stunden beziehen sich auf einen ganzen Tag einschließlich Ladepausen – nicht auf eine Akkuladung.

Was es heißt: Die nächste Generation hat jetzt einen besser prüfbaren Produkt- und Terminplan. Einen bestätigten deutschen Liefertermin gibt es weiterhin nicht. Und die oft genannten 65.000 Betriebsstunden stammen von Digit 4. Sie sind Erfahrung mit dem Vorgänger, kein Einsatznachweis für Digit 5. Unsere Terminübersicht trennt deshalb Vorstellung, Early Access und erwartete breite Verfügbarkeit.

Quelle: Agility, Vorstellung vom 15.09. Technische Daten und Termine sind Herstellerangaben.

02 / FIGURE · 17. SEPTEMBER

Ein anderes Haus.
Eine andere Aufgabe?

Figure testet Helix 2.5 in 30 zuvor ungesehenen Häusern. Mit Index-Vortraining meldet das Unternehmen 56 Prozent vollständig erfolgreiche Versuche, gegenüber neun Prozent ohne dieses Vortraining. Das ist ein konkreter Fortschrittsbeleg aus einer internen Evaluation.

Die Aufgaben klingen alltäglich: Wohnzimmer aufräumen, Handtücher falten, Betten machen. Für einen Roboter ändern sich dabei ständig die Bedingungen. Gegenstände liegen anders, Möbel stehen woanders, Materialien geben unterschiedlich nach. Die zentrale Frage ist deshalb, ob eine gelernte Tätigkeit auch außerhalb ihrer Trainingsumgebung gelingt.

Der Begriff „Zero-shot“ braucht hier eine genaue Übersetzung: Neu sind die Testhäuser und Gegenstände. Die Aufgaben selbst wurden mit Daten aus anderen Umgebungen trainiert. Figure beschreibt außerdem, dass Sicherheitseingriffe als Fehlschlag zählen. Die 56 Prozent beziehen sich auf vollständig abgeschlossene Versuche – nicht auf den Anteil erfolgreicher Häuser und erst recht nicht auf sämtliche denkbaren Hausarbeiten.

Was es heißt: Generalisierung wird messbarer. Gleichzeitig bleiben 44 Prozent der Versuche ohne vollständigen Erfolg. Die Veröffentlichung liefert keinen unabhängigen Nachtest, keinen neuen Kaufpreis und keinen Liefertermin. Sie benennt im Haupttext auch keine eindeutige Hardwaregeneration. In unserer KI-Übersicht steht Helix 2.5 deshalb als datierte Softwareevaluation; die bisherigen Figure-03-Einsatzbelege bleiben davon getrennt.

Quelle: Figure: Helix 2.5, 17.09. Versuchsaufbau und Erfolgswerte stammen von Figure.

03 / UNITREE · 20. SEPTEMBER

Vom Verstehen
zum Handeln.

Unitree veröffentlicht weitere Teile von UnifoLM-WLA: Modellmodule und Code, mit dem sich ein Action Expert auf Grundlage der ER-Modelle trainieren lässt. Das bringt Forschende einen Schritt weiter. Das vollständige WLA-Basismodell bleibt aber ausstehend.

In der vergangenen Ausgabe ging es um ER-1 und ER-Flow, deren Gewichte seit dem 11. September verfügbar sind. Diese Bausteine unterstützen räumliches Verstehen und Schlussfolgern. Der jetzt veröffentlichte Trainingscode adressiert den Schritt zu Aktionen. Im aktuellen Freigabeplan sind außerdem die verlinkten Datensatzgruppen als verfügbar markiert; nicht alle stammen erst vom 20. September.

Drei wichtige Punkte bleiben offen: die WLA-Base-Gewichte, deren Fine-Tuning und LoRA-Fine-Tuning. „Das komplette Robotikmodell ist offen“ wäre deshalb weiterhin zu weit gegriffen. Ebenso wenig entsteht aus einem Repository automatisch eine neue Funktion auf einem bereits gekauften Unitree G1.

Was es heißt: Die Freigabe ist für Forschung und Entwicklung relevant. Wer einen Roboter für einen konkreten Einsatz sucht, muss weiterhin die tatsächlich unterstützte Hardware, Integration und verfügbare Funktionen prüfen. Unsere Unitree-Akte führt den Fortschritt als teilweise Veröffentlichung.

Quelle: Unitree, dokumentierter README-Stand · aktueller Freigabeplan, geprüft am 21.09.

04 / ANYBOTICS + DORMAKABA + LEGIC · 17. SEPTEMBER

Die Tür gehört
zum System.

Ein ANYmal darf in einem Kraftwerks-Pilot in Irland kontrollierte Türen passieren. Der entscheidende Fortschritt steckt in der Verbindung von Roboter, digitaler Berechtigung und Türautomation. Die Partner melden einen erfolgreichen mehrwöchigen Test in Whitegate.

Das GE-Vernova-Kraftwerk in County Cork ist ein benannter Einsatzort. Der Ablauf: ANYmal übermittelt einen digitalen Zutrittsnachweis über LEGIC-Technologie. Das Zutrittssystem prüft die Berechtigung und gibt die passende Tür frei. Die Automation öffnet; der Roboter setzt seine Inspektionsroute fort. Hier greift kein Roboterarm zur Klinke einer beliebigen Tür.

Für autonome Industrieinspektion ist das eine praktische Hürde. Sensoren und Navigation helfen wenig, wenn eine geschlossene Sicherheitstür die Route unterbricht. Die Integration erweitert den nutzbaren Weg, während die Zugangsentscheidung im Berechtigungssystem bleibt.

Was es heißt: Ein überschaubares Problem hat einen konkreten Pilotbeleg. Das kommerzielle Zusatzangebot ist laut Partnern noch in Arbeit. Aufzüge, Tore und Drehkreuze sind ein Ausblick. Die Mitteilung nennt außerdem keine ANYmal-Generation; daraus folgt kein pauschales Funktionsupgrade für ANYmal D oder andere Modelle.

Quelle: gemeinsame Partner-Mitteilung, 17.09. Pilotbericht, keine unabhängige Betriebsprüfung.

05 / WATNEY · 17. SEPTEMBER

Die KI braucht
auch Hände im Rechenzentrum.

Watney meldet 80 Millionen US-Dollar in einer Series A für Robotik in Rechenzentren. Valor Atreides AI Fund und Hummingbird Ventures führen die Runde gemeinsam. Insgesamt hat das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 100 Millionen Dollar eingeworben.

Rechenzentren sind eine andere Umgebung als Wohnzimmer oder Lagerhallen: klar umrissene Anlagen, betriebliche Abläufe und hohe Anforderungen an Zuverlässigkeit. Watney sagt, seit 2025 große Hyperscaler zu bedienen. Die Mitteilung nennt aber weder Kunden noch Standorte, eine Flottengröße oder konkrete Robotermodelle.

Auch die vom Unternehmen beanspruchte hohe Zuverlässigkeit lässt sich aus der Veröffentlichung nicht sauber nachrechnen. Es fehlen öffentlich erklärte Messverfahren und Fehlerdefinitionen. Wir übernehmen sie deshalb nicht als geprüften Leistungswert.

Was es heißt: Die belegbare Wochenmeldung ist eine Finanzierung laut Unternehmen. Wie gut das System im Alltag arbeitet, muss anhand zusätzlicher Betriebsdaten beurteilt werden. Ein anonymer Kundenhinweis wird bei uns noch kein neuer Eintrag im Einsatz-Tracker.

Quelle: Watney, Unternehmensmeldung vom 17.09.

Was diese Woche im Radar ändert

Digit bekommt den präzisierten 2027-Plan; Vorgänger und Folgegeneration bleiben auseinandergehalten. Die Figure- und Unitree-Einträge führen den neuen Software- und Freigabestand. Whitegate ergänzt die Industrieübersicht als Pilot, Liuzhou den Fertigungskontext bei UBTECH. Aus diesen Meldungen allein ändern wir keine Preise oder RadarScore-Werte. Für die Kaufentscheidung bleibt ein konkretes Angebot mit Lieferregion, Variante und Bedingungen entscheidend.

Worauf wir als Nächstes achten

Bei Digit zählen die Bedingungen des Early Access und ein belastbarer europäischer Bereitstellungsplan. Bei Figure interessiert, ob sich die Ergebnisse unabhängig prüfen lassen und auf weitere Aufgaben übertragen. Bei Unitree bleibt die Freigabe des WLA-Basismodells offen. Bei Whitegate wird aus dem Pilot erst dann ein Produkt, wenn das angekündigte Zusatzangebot tatsächlich verfügbar ist. Genau an diesen Übergängen entscheidet sich, wie viel Alltag in der Robotik steckt.

Quellen

Quellenstand: 21. September 2026. Herstellerangaben, Pilotberichte und Zukunftspläne sind ausdrücklich eingeordnet. Das eigens erstellte Titelbild ist eine referenzbasierte KI-Illustration nach Figure-03-Design und dokumentiert keinen realen Einsatz oder Test.