// ANALYSE: ANYMAL D 10 SEKTIONEN · ~4 MIN LESEZEIT · STAND 19.10.2026
Kurzfassung
  • Schweizer Ingenieurskunst — Spin-off der ETH Zürich, Zürich-Hauptsitz
  • IP67 — vollständig staub- und wasserdicht, bis 1 m Tauchtiefe
  • ATEX-Zone-1 hat nicht ANYmal D, sondern das Schwestermodell ANYmal X — Marktstart laut Fachpresse 2026 („world’s first Ex-proof legged robot“ ist eine Selbstbeschreibung des Herstellers)
  • Kein Listenpreis — Verkauf ausschließlich auf Angebot; keine unserer geprüften Quellen nennt einen Preis
  • Über 200 ausgelieferte Einheiten, tausende Inspektionen pro Woche (Unternehmensangabe, von der Fachpresse weitergegeben)

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

Hersteller
ANYbotics AG (Zürich, Schweiz · ETH-Spin-off 2016)
Maße
93 × 53 × 70 cm
Gewicht
50 kg
Tragkraft
bis 10 kg zusätzliche Nutzlast (Herstellerangabe Produktseite)
Geschwindigkeit
0,75 m/s — beim Hersteller als „normal walking speed“ geführt; einen Maximalwert nennt keine unserer Quellen
Akku-Laufzeit
90 min autonome Inspektion · Akku austauschbar · Auto-Docking
IP-Schutz
IP67 — staub- und wasserdicht bis 1 m
Betriebstemperatur
−15 bis +45 °C
Sensorik
integriert: visuelle und Thermo-Kamera, Ultraschall-Mikrofon, LED-Spot, LiDAR · Gas-Sensoren und Akustik-Imager laut Hersteller als Customizing-Option
ATEX-Variante
ANYmal X — eigenes Modell, zertifiziert für Zone 1 (explosive Gase); ANYmal D selbst ist nicht ATEX-zertifiziert
Software
Flottensoftware Shift (bis 01.10.2026 Data Navigator) · ROS-Schnittstelle · eigene Autonomie-Suite
KI
Proprietäres Neural Control für robustes Laufen auf unstrukturiertem Terrain
Preis
Kein Listenpreis — Verkauf auf Angebot (B2B). Keine der 15 geprüften Quellen dieser Akte nennt einen Preis; die früher hier geführten 150.000 USD waren eine redaktionelle Schätzung und sind am 30.07.2026 gestrichen
Verfügbarkeit DACH
B2B auf Angebot über den Hersteller (Sitz Zürich). ANYbotics verweist zusätzlich auf ein weltweites Händlernetz; in dessen Regionenliste steht die Schweiz (ohne sichtbaren Partnernamen), Deutschland und Österreich stehen dort nicht. Belegte Auslieferungen nach Europa: Equinor (Norwegen), ENI. Der dokumentierte Einsatz in Ludwigshafen war eine BASF-Evaluation des Schwestermodells ANYmal X. In der Schweiz fährt im Zementwerk von Vigier in Péry ein ANYmal nachts Inspektionsrunden (ANYbotics-Fallstudie, Interview der Fachzeitschrift Processing); die Generation nennen beide Quellen nicht. Ein laufender DACH-Kundenbetrieb ausdrücklich von ANYmal D, ein namentlich genannter Vertriebspartner in der Schweiz oder ein Partner in Deutschland ist in unseren Quellen nicht belegt (Stand 11.10.2026)

Warum ANYmal D existiert

ANYbotics ist 2016 als Spin-off des Robotic Systems Lab der ETH Zürich entstanden. Die Kernidee: einen Quadruped bauen, der nicht für Demo-Videos optimiert ist, sondern für reale Industrie-Einsätze. Raffinerien. Chemiewerke. Bergwerke. Umgebungen, in denen ein Boston Dynamics Spot mit IP54 an seine Grenzen kommt.

Das Resultat: ANYmal D ist IP67 — vollständig staub- und wasserdicht bis 1 m Tauchtiefe. Die zweite Hürde für Öl, Gas und Chemie, die ATEX-Zone-1-Zulassung, nimmt ANYmal D dagegen nicht: Sie gehört zu einem eigenen Modell. ANYbotics beschreibt ANYmal X als „an ATEX Zone 1-certified version of the existing ANYmal D” — ein separates Produkt, dessen Kundenauslieferungen The Robot Report für 2026 ankündigt. Die Hardware-Konformitätsliste der ANYmal-Produktseite nennt entsprechend nur „FCC, CE and Anatel compliant”.

Was kann ANYmal D?

  • Autonome Routen-Inspektion auf Industrie-Gelände — komplett fahrerlos
  • Treppen bis 30 cm Stufenhöhe, 45° Neigung — auch Gitterrost-Treppen
  • Wasserdicht-Einsatz — nach Dampfreinigung oder in überschwemmten Kellern
  • Thermografie und LiDAR ab Werk; Gas-Detektion und Akustik-Imager laut Hersteller als Customizing-Option
  • Explosionsgeschützte Zonen bleiben dem Schwestermodell ANYmal X vorbehalten — nicht ANYmal D
  • Digitale Zwillinge — ANYmal liefert jedem Inspektions-Punkt Bild, Thermo, Gas-Wert, Zeitstempel

Die ATEX-Geschichte

ATEX steht für “Atmosphères Explosibles” — EU-Richtlinie für explosionsgeschützte Geräte. In einer Raffinerie darf kein Funke entstehen. Jedes Gerät (Laptop, Kamera, Roboter) muss zertifiziert sein. Der Zertifizierungsprozess dauert Jahre und kostet Millionen.

Wichtig für die Einordnung: Diese Zulassung trägt nicht ANYmal D, sondern das eigenständige Modell ANYmal X. ANYbotics hat es 2022 als „the world’s first Ex-proof legged robot” angekündigt — eine Selbstbeschreibung des Herstellers, die wir nicht unabhängig prüfen konnten; auf der Fähigkeiten-Seite heißt es entsprechend „World’s only Ex-certified, legged robotic solution”. Den regulären Marktstart plant ANYbotics erst für 2026 (bis dahin Pilot-/Evaluationsphase, u. a. bei BASF Ludwigshafen). Die Ex-Variante zielt genau auf Öl-, Gas- und Chemie-Umgebungen — etwa das Northern-Lights-CCS-Projekt (Equinor/Shell/TotalEnergies-JV, Norwegen) —, in denen Menschen-Inspektion durch Explosionsschutzauflagen deutlich langsamer wäre.

Gegenüber Spot ist das ein Vorsprung auf Konzernebene, nicht auf Modellebene: Boston Dynamics hat keine ATEX-Zertifizierung (Stand April 2026), ANYbotics hat sie — aber in einem anderen Produkt als dem hier bewerteten. Wer heute eine Zone-1-Lösung sucht, kauft ANYmal X, nicht ANYmal D. Offshore Technology beschreibt ANYmal D unmissverständlich als „an autonomous quadruped robotic ‚dog’ designed for non-explosive industrial areas”.

DACH-Einsätze

ANYbotics sitzt in Zürich, also im deutschsprachigen Raum, und hat Verbindungen zu deutscher Großindustrie. Einen eigenen Deutschland-Standort oder einen Vertriebspartner in Deutschland belegt allerdings keine unserer Quellen; im Händlernetz, auf das ANYbotics verweist, ist für den deutschsprachigen Raum nur die Schweiz aufgeführt, ohne sichtbaren Partnernamen (Stand 11.10.2026):

  • BASF Ludwigshafen — Anlagen-Inspektion (Steamcracker/Oxo-Plant). Wichtig: getestet wurde ANYmal X, nicht ANYmal D, und zwar „as part of their legged inspection robot evaluation program”; die Fallstudie endet mit „ANYbotics provides pilot installations worldwide”
  • Vigier Ciment, Péry (Schweiz) — Zementwerk der Vicat-Gruppe. Dort fährt ein ANYmal nachts Inspektionsrunden durch die drei Mühlen des Werks. Das beschreiben eine Fallstudie von ANYbotics (Juni 2026) und ein Interview der Fachzeitschrift Processing mit Robert Christinger, Leiter Automation bei Vigier, und einem Kundenbetreuer von ANYbotics (August 2026). Seit wann, ist uneinheitlich: Die Fallstudie nennt Januar 2025, Processing schreibt 2023. Welche ANYmal-Generation im Einsatz ist, nennen beide Quellen nicht
  • TenneT — Offshore-Pilot in der Nordsee (2018, teleoperiert — kein laufender DACH-Landeinsatz)
  • Forschungskooperationen mit europäischen Hochschulen — allen voran der ETH Zürich (Mutter-Lehrstuhl)

(Hinweis aus unserem Beleg-Audit: Ein früher hier gelisteter „TotalEnergies Leuna”-Einsatz ließ sich in keiner Quelle belegen und wurde entfernt — TotalEnergies erscheint nur als JV-Partner beim Northern-Lights-Projekt in Norwegen. Am 30.07.2026 fiel aus demselben Grund die Formulierung „Direktvertrieb ab Zürich”: Belegt ist der Firmensitz — The Robot Report schreibt „The Zurich-based company” —, nicht der Vertriebsweg.)

Preis-Einordnung

ANYbotics veröffentlicht keinen Listenpreis — verkauft wird per Angebot. Keine der für diese Akte geprüften Quellen nennt einen Preis. Deshalb führt der Datensatz für ANYmal D weder ein Preisfeld noch eine Preis-Leistungs-Note: Nach unserer Methodik zählt nur ein realer Listenpreis, Schätzungen ausdrücklich nicht.

(Korrektur 30.07.2026: Bis heute standen an dieser Stelle konkrete Zahlen — Basis um 150.000 USD, mit Inspektions-Paket 200.000–300.000 USD, ANYmal X rund 200.000 USD. Sie waren als „Branchen-Schätzungen” gekennzeichnet, aber durch nichts belegt, und die 150.000 USD landeten über das Frontmatter-Feld preisUSD als „listenpreis_usd” im veröffentlichten Datensatz. Beide Preisfelder sind entfernt, die Zahlen aus dem Text gestrichen.)

(Ebenfalls am 30.07.2026 gestrichen: eine Amortisationsrechnung, die eine 4-Stunden-Obergrenze für menschliche Arbeit in ATEX-Zone 1, 5–10 menschliche Inspektionen pro Tag, 16 Betriebsstunden des Roboters, 50+ Roboter-Inspektionen und eine Amortisation unter zwei Jahren nannte. Keine dieser Zahlen ließ sich belegen; die 16 Betriebsstunden widersprachen sogar der eigenen Spec-Zeile und der Herstellerangabe „90 min battery run-time”. Der einzige belegte Durchsatzwert stammt aus der BASF-Fallstudie: „each 20-minute mission comprising 20 inspection points”.)

Konkurrenz-Check

ModellPreisStärkeSchwäche
ANYmal Dkein Listenpreis (nur auf Angebot)IP67, Europa, peer-reviewed GeländeevidenzKleinere Flotte, langsam; ATEX nur mit ANYmal X
Boston Dynamics Spotauf Angebot (74.500 USD war der Einführungspreis 2020)Ökosystem, Gemini-KINur IP54, keine ATEX
Deep Robotics X30114.000 € (X30 Pro)IP67, kein ATEXKleines Service-Netz
Unitree Go2ab 2.618 €PreisKeine Industrie-Specs

Unser Urteil

ANYmal D ist ein Tool für einen ganz bestimmten Zweck: rauhe Industrie-Umgebungen mit hohen Sicherheits- und Compliance-Anforderungen. Wer in DACH-Chemie, Öl und Gas arbeitet, sollte ANYmal gegen Spot benchmarken — für explosionsgefährdete Zonen führt der Weg allerdings über das Schwestermodell ANYmal X, dessen Marktstart für 2026 angekündigt ist.

Für Consumer, Content-Creator, kleine Forschungsgruppen oder Logistik: klar zu teuer, zu industriell. Da ist Unitree Go2 oder Unitree B2 die Antwort.

Quellen

  • ANYbotics Press Room und Customer Cases 2024–2026
  • BASF Press Release zur ANYmal-Ludwigshafen-Kooperation
  • Shell TechXplorer Magazin
  • ETH Zürich Robotic Systems Lab Publikationen

Wo kaufen

ANYbotics (offiziell)

Hersteller mit Sitz in Zürich; Verkauf nur B2B auf Anfrage. Einen Distributor oder ein Deutschland-Büro belegen unsere Quellen nicht

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